Hilfsnavigation

Suche

18.10.2019

Neues zur "Pürzelprämie": Aufwandsentschädigungen zur ASP fortgesetzt und erweitert

Hier finden Sie aktuelle Informationen und neue Antragsunterlagen.

Zunehmende ASP-Gefahr

Die Afrikanische Schweinepest (ASP) ist die derzeit größte Bedrohung für die landwirtschaftliche Tierhaltung in Deutschland und so auch in Mecklenburg-Vorpommern.
Die unter Haus- und Wildschweinen verbreitete Tierseuche hat sich bekanntermaßen seit 2014 in mehreren EU-Mitgliedsstaaten, zuletzt in Belgien, ausgebreitet. Um diese Tierseuche erfolgreich tilgen zu können ist es notwendig, den Schwarzwildbestand so gering wie möglich zu halten, um potentielle Infektionsketten nicht entstehen zu lassen. Deshalb ist es notwendig, den Schwarzwildbestand wirksam zu reduzieren.

Schwarzwild

ASP-Jagdmaßnahmen

Im Fall eines ASP-Ausbruchs, dessen Gefahr durch anthropogenen Einfluss allerdings weitaus größer als durch Ansteckung in der Schwarzwildpopulation ist, drohen den Schweinehaltern dramatische Folgen. Um dieser Gefahr wirksam zu begegnen forderte der Landtag Mecklenburg-Vorpommern die Landesregierung im Oktober 2017 auf, alle notwendigen Maßnahmen, insbesondere im Bereich des Transitverkehrs und der Jagdausübung, zur Abwehr der ASP zu ergreifen. Hierzu zählte insbesondere der Auftrag zur drastischen Reduktion der Wildschweinpopulation.
Das Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt (LM) beschloss daraufhin ein umfangreiches Paket an ASP-Jagdmaßnahmen, zu denen maßgeblich die Gewährung von Aufwandsentschädigungen für Schwarzwildabschüsse und revierübergreifende Jagdhundeeinsätze gehören. Diese Maßnahme ist das Rückgrat des gesamten ASP-Maßnahmepaketes in M-V, zu dem folgende weitere Maßnahmen gehören:


1. Aussetzung des vom 11. Januar bis 31. Juli geltenden Drückjagdverbotes für zunächst drei Jahre,
2. Koordinierung revierübergreifender Drückjagden durch die Forst- und Nationalparkämter,
3. Erhöhung der Anzahl von Ansitz-Drückjagden auf Schwarzwild,
4. Bejagungsschwerpunkt bildet Abschuss von Frischlingen und reproduzierenden Bachen,
5. Unterlassen von Freigabebeschränkungen auf gemeinschaftlichen Jagden mit Ausnahme der geschützten Muttertiere,
6. Zulassung von Ausnahmen von Beschränkungen der Jagdausübung in Schutzgebieten,
7. Verzicht auf Standgelder und Jagdbetriebskosten bei Jagdbeteiligungen in den Forstämtern für Ansitz-Drückjagden mit Schwerpunkt Schwarzwild,
8. Möglichkeit der unentgeltliche Abgabe von Frischlingen an Erleger oder Jagdhelfer seitens der FoÄ und NPÄ,
9. Durchführung von Fortbildungsmaßnahmen Jäger/Landwirte zwecks gegenseitiger Unterstützung,
10. Betreiben tierschutzgerechter Saufänge,
11. Ausnahmen von sachlichen Jagdverboten.

Die Aufwandsentschädigungen für Schwarzwildabschuss und Hundeeinsatz sollen pauschal den Mehraufwand für den jagdlichen Einsatz der Jäger und Jagdhunde (einschl. Trichinengebühr) und die Mindereinnahmen durch den Preisverfall aufgrund höheren Wildbretaufkommens abdecken.

Pürzelprämie Anträge 2019

Größe: 2,4 MB

Die Gewährung von Aufwandsentschädigungen seit dem 1. Oktober 2017 dürfte maßgeblich dazu beigetragen haben, im Jagdjahr 2017/18 in Mecklenburg-Vorpommern mit insgesamt 86.949 Stück Schwarzwild das bislang höchste Streckenergebnis beim Schwarzwild erreicht zu haben. Auch im abgelaufenen Jagdjahr 2018/19 ist mit einem relativ hohen Streckenergebnis zu rechnen. Bis zum jetzigen Zeitpunkt liegen die amtlichen Streckendaten jedoch noch nicht vor.

Informationsbesuch der EU-Kommission

Um die Umsetzung der Überwachungsmaßnahmen und die Vorbereitung für den Notfall in Bezug auf die Afrikanische Schweinepest bei Wildschweinen bewerten zu können, führte die EU-Kommission (Generaldirektion Gesundheit und Lebensmittelsicherheit) in einigen Mitgliedstaaten, so auch in Deutschland, vor kurzem einen Informationsbesuch durch. Die Kommission wollte sehen, inwieweit die Mitgliedstaaten in Umsetzung der im Jahr 2015 von der Kommission entwickelten ASP-Strategie geeignete Maßnahmen zur Bekämpfung von ASP bei Wildschweinen ergriffen haben.
In Deutschland wurden vier Bundesländer besucht, so auch Mecklenburg-Vorpommern, und hier konkret der Landkreis Ludwigslust-Parchim. Mein Dank gilt den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsamtes sowie der unteren Jagdbehörde dieses Landkreises sowie dem Landesamt für Landwirtschaft, Lebensmittelsicherheit und Fischerei (LALLF), die sich alle sehr gut auf diesen Termin vorbereitet hatten und die in M-V getroffenen Maßnahmen vortrugen. Die Vertreter der Kommission erkannten unsere Maßnahmen durchaus an, machten aber mit Nachdruck auf die große Bedeutung der Früherkennung der ASP aufmerksam.

Fortsetzung der ASP-Jagdmaßnahmen
Ziele: Bestandsreduzierung /Früherkennung /Biosicherheit

Die ASP-Gefahr ist ungebrochen und nimmt aufgrund der aktuellen Ereignisse in Nachbarstaaten ständig zu. In seiner jüngsten „Qualitativen Risikobewertung zur Einschleppung der Afrikanischen Schweinepest aus Verbreitungsgebieten in Europa nach Deutschland“ vom 30. April 2019 schätzt das Friedrich-Löffler-Institut (FLI) das Risiko des Eintrags von ASP nach Deutschland durch illegale Verbringung und Entsorgung von kontaminiertem Material als hoch ein. Das FLI stellte zudem fest, dass durch das Auftreten der Tierseuche im Südosten Belgiens allerdings auch das Risiko eines Übergreifens auf deutsches Gebiet durch migrierende, infizierte Wildschweine deutlich gestiegen sei. Siehe hierzu www.fli.de.
Vor diesem gesamten Hintergrund hat Minister Dr. Backhaus sich entschlossen und gegenüber dem Finanzministerium durchsetzen können, dass das Programm der Gewährung von Aufwandsentschädigungen für den Schwarzwildabschuss und für revierübergreifende Schwarzwild-Drückjagden fortgesetzt und sogar noch erweitert wird. Das Programm ist jetzt auf folgende drei Säulen gestützt:


Erste Säule: Bestandsreduzierung

Zweite Säule: Früherkennung

Dritte Säule: Biosicherheit

Zur ersten Säule:
Aus fachlicher Sicht bedarf es drei weiterer Jagdjahre drastischer Bestandsreduktion, um den Schwarzwildbestand in Mecklenburg-Vorpommern wirksam reduziert zu haben. Die für das Schwarzwild optimalen Witterungs- und Nahrungsbedingungen der letzten Jahre, insbesondere die starke Eichenmast des letzten Jahres lassen in diesem Frühjahr einen weitaus höheres Zuwachsprozent erwarten als sonst, was ein weiteres Erschwernis beinhaltet.

Zur zweiten Säule:
Der Früherkennung eines ASP-Eintrags (passives Monitoring) kommt größte Bedeutung zu, um die ASP erfolgreich tilgen zu können. Maßgeblich ist hier das Fallwild. Es besteht bislang eine zu große Diskrepanz zwischen der Anzahl von Totfunden und der tatsächlich zur ASP-Abklärung eingesendeten Proben dieser Tiere.

Zur dritten Säule:
Entsorgung allen Fallwildes in vom Land gestellten Konfiskatbehältern. Es ist den Jagdausübungsberechtigten und der Öffentlichkeit nicht vermittelbar, dass aus rechtlichen Gründen ein verendet aufgefundenes Wildschwein nach der Probenahme im Jagdbezirk verbleiben darf. Alternativ kann der Tierkörper auch auf Kosten des Jagdausübungsberechtigten in der TBA entsorgt werden, was ihm jedoch nicht zuzumuten ist.
Aus diesen Gründen werden Aufwandsentschädigungen wie folgt gewährt:

a) 25 Euro für jedes in Mecklenburg-Vorpommern erlegte Stück Schwarzwild aller Altersklassen. Die Gewährung der Aufwandsentschädigung schließt sich im Jagdjahr 2019/20 nahtlos an das Jagdjahr 2018/19 an. Wie bisher können die Anträge jeweils in der zweiten vollen Kalenderwoche eines Monats gestellt werden. Voraussetzungen: schriftlicher Antrag (Formular Anlage 1), erste Durchschrift (grün) des Wildursprungsscheines sowie Pürzel des erlegten Stückes.

b) 35 Euro für jeden Einsatztag eines brauchbaren Jagdhundes bei einer revierübergreifenden Ansitz-Drückjagd in Mecklenburg-Vorpommern im Zeitraum vom 1. Oktober bis 31. Januar.
Voraussetzungen: schriftlicher Antrag (Formular Anlage 2) sowie Brauchbarkeitsnachweis.

c) 50 Euro für jedes gefundene Stück Fallwild, Unfallwild oder krank erlegte Stück Schwarzwild.
Voraussetzungen: schriftlicher Antrag (Formular Anlage 3), zweite Durchschrift (gelb, kartonstark) des Wildursprungsscheines, Bereitstellung von Probenmaterial sowie (für den Jagdausübungsberechtigten kostenlose) Beseitigung des Tierkörpers Konfiskatbehälter beim Forstamt / Nationalparkamt unter Verwendung von in jeder Revierförsterei erhältlichen Maisstärkesäcken. Hier ist anzumerken, dass die Veterinärverwaltung dem Jagdausübungsberechtigten für das Einsenden einer Probe nach Maßgabe des jeweils zuständigen VLA eine Aufwandsentschädigung von weiteren 25 Euro gewährt.
Für die Schaffung der rechtlichen Voraussetzungen wurde die „Verwaltungsvorschrift zur Entschädigung für Maßnahmen zur Vorbeugung vor der Afrikanischen Schweinepest bei der Schwarzwildbejagung in Mecklenburg-Vorpommern“ vom 1. Dezember 2017 zum zweiten Mal geändert. Aus haushaltsrechtlichen Gründen gilt die Verlängerung zunächst bis zum 31. März 2020, eine Fortsetzung ist in Aussicht gestellt. Bis zum jetzigen Zeitpunkt (Redaktionsschluss) verfügt das LM jedoch noch nicht über die Geldmittel, weshalb es diese der Landesforstanstalt M-V auch noch nicht zum Zwecke der Auszahlung an die Antragsteller zuweisen kann. Hiermit ist jedoch in Kürze zu rechnen. Es wird deshalb um Verständnis für die Verzögerung gebeten.
Hier die Zitieradresse:
Verwaltungsvorschrift zur Entschädigung für Maßnahmen zur Vorbeugung vor der Afrikanischen Schweinepest bei der Schwarzwildbejagung in Mecklenburg-Vorpommern vom 1. Dezember 2017 (AmtsBl. M-V S. 843), zuletzt geändert durch Verwaltungsvorschrift vom 16. April 2019 (AmtsBl. M-V 2019 S. 444).


Der vollständige Wortlaut mit den Antragsformularen ist zu finden unter:
www.service.m-v.de

Schlussbemerkung

Das LM und der Landesjagdverband treffen noch eine Vereinbarung zur jährlichen Bewertung der ASP-Jagdmaßnahmen im Hinblick auf ihre Effizienz. Abschließend ergeht der eindringliche Appell an alle Jägerinnen und Jäger sowie die Jagdhundeführerinnen und Jagdhundeführer in Mecklenburg-Vorpommern, das Programm mit hohem Engagement zu unterstützen.

Im Auftrag
Martin Rackwitz
Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt
Oberste Jagdbehörde

Weitere aktuelle Informationen des Landwirtschaftsministeriums:

Externes Medium: https://www.regierung-mv.de/Landesregierung/lm/Verbraucherschutz/Veterinaerwesen/Tiergesundheit-Tierseuchenbekaempfung/afrikanische-schweinepest-asp/