Stockente in der Krise - Wie Jäger mit dem Schwingenmonitoring aktiv helfen können
Die Stockente – weit verbreitet, scheinbar stabil. Doch der Schein trügt: Während der Brutbestand in Deutschland nochungefährdeterscheint, gehen die Streckenzahlen seit Jahren zurück. Immer mehr Jäger berichten aus ihren Revieren von spürbaren Rückgängen. Der Landesjagdverband Schleswig-Holstein (LJV SH) hat deshalb in Kooperation mit der Justus-Liebig-Universität (JLU) Gießen und der Landesjägerschaft Niedersachen (LJN) ein innovatives Projekt ins Leben gerufen: das in der Tierfundkataster-App integrierte Schwingenmonitoring. Die Finanzierung erfolgt durch den Deutschen Jagdverband (DJV), die Landesjägerschaft Niedersachen und den Landesjagdverband Hessen.
Warum Monitoring notwendig ist
„Viele denken, der Stockente geht es gut – das stimmt leider nicht“, erklärt Dr. Johannes Lang vom Arbeitskreis Wildbiologie der JLU Gießen. Bereits seit 2016 zeigen Monitoringdaten aus Hessen einen deutlichen Rückgang des Bestands. Besonders auffällig: Es werden überwiegend junge Erpel geschossen, während erwachsene weibliche Enten seltener vorkommen – ein Hinweis auf erhöhte Sterblichkeit bei diesen. Diese Erkenntnisse sind auch für Schleswig-Holstein wichtig, um Ursachen zu verstehen und gezielte Maßnahmen zu entwickeln, betont Christian Hertz-Kleptow, Ornithologe beim LJV SH.
Vom Schwingenversand zur App
In vielen Nachbarländern, etwa Dänemark, senden Jäger abgetrennte Schwingen ein, um das Alter bestimmen zu lassen. Bei uns geht dies jetzt einfacher: wenige Fotos der erlegten Ente genügen. Über die erweiterte Tierfundkataster-App können diese Bilder hochgeladen werden. Drei Experten analysieren sie unabhängig voneinander – mit einer beeindruckenden Genauigkeit von 94 %. In Zukunft soll eine KI diese Aufgabe übernehmen. In Zukunft soll eine KI diese Aufgabe übernehmen. Um diese zu trainieren, ist es wichtig, dass in der aktuellen Jagdsaison ausreichend Bilder von Schwingen eingereicht werden.
Mitmachen leicht gemacht
Die Teilnahme ist denkbar einfach und dauert nur gut 2 Minuten:
1. Tierfundkatasterapp herunterladen
2. Schwingenmonitoring aufrufen
3. Mit der App fotografieren und hochladen
Jeder Jäger mit Smartphone kann so zum Wildtierforscher werden – ohne großen Aufwand, aber mit großer Wirkung.
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Ein Aufruf an die Jägerschaft
Dr. Lang appelliert: „Jäger sind auch Heger. Sie stehen dem Wild verpflichtet gegenüber und können durch ihre Nähe zur Natur entscheidende Daten liefern.“ Und genau das ist der Punkt: Es ist besser, wenn die Jägerschaft selbst forscht und Verantwortung übernimmt, als sich von außen belehren zu lassen. Wer es mit der Hege ernst meint, sollte sich also fragen, ob er bereit ist, aktiv zur Erhaltung der Stockente beizutragen.
Kontakt:
Christian Hertz-Kleptow, LJV SH
Mobil: 0179-9706622
Durchwahl: 04347-9087-16
Dr. Johannes Lang JLU Gießen
johannes.lang@vetmed.uni-giessen.de
Klinik für Vögel, Reptilien, Amphibien und Fische, AG Wildtierforschung
Arbeitskreis Wildbiologie an der Justus-Liebig-Universität Gießen e.V.
Frankfurter Straße 108, D-35392 Gießen
Telefon: 0641 99 377 22